Der ehrliche Empty-Leg-Guide: Entstehung, realistische Ersparnis, Ausfallrisiko, Vertragsfragen und wann Charter sicherer ist.
Ein Empty Leg ist ein Positionierungsflug eines Privatflugzeugs, der ohne Charterpassagiere stattfinden würde. Der Betreiber kann diesen Flug günstiger anbieten, weil das Flugzeug ohnehin bewegt werden muss. Es handelt sich jedoch nicht um eine rabattierte Version eines vollständig flexiblen Charters. Route, Flughafenpaar, Flugzeug und Zeitpunkt werden durch den bestehenden Einsatzplan bestimmt und können sich ändern, wenn die Hauptmission geändert wird.
Kurz erklärt: Lohnt sich ein Empty Leg?
Ein Empty Leg kann sich lohnen, wenn der Reisende bei Datum, Uhrzeit und Flughäfen flexibel ist und einen Ersatzplan hat. Es ist weniger geeignet, wenn ein Termin, eine Hochzeit, ein Anschlussflug oder ein medizinischer Zweck unbedingt eingehalten werden muss.
Die wichtigsten Einschränkungen sind:
- meist nur eine Richtung;
- feste oder nur begrenzt veränderbare Strecke;
- begrenzte Wahl des Flugzeugtyps;
- kurzfristige Verfügbarkeit;
- mögliche Änderung oder Stornierung;
- Rückflug separat zu organisieren;
- Gepäckkapazität an das vorhandene Flugzeug gebunden.
Eine hohe prozentuale Ersparnis ist möglich, aber niemals garantiert.
Warum entstehen Leerflüge?
Charterflugzeuge fliegen nicht nach einem festen Linienplan. Ein Flugzeug kann leer fliegen müssen, um:
- den Abflughafen eines Kunden zu erreichen;
- zur Heimatbasis zurückzukehren;
- zur nächsten gebuchten Mission zu gelangen;
- eine Wartungseinrichtung anzufliegen;
- saisonal in eine andere Region verlegt zu werden;
- eine Reisegruppe nach einem Aufenthalt wieder abzuholen.
Beispiel:
- Ein Kunde bucht Paris–Nizza.
- Das Flugzeug steht in London.
- Es muss London–Paris ohne Passagiere fliegen.
- Der Sektor London–Paris kann als Empty Leg angeboten werden.
Der Betreiber versucht damit, einen Teil der ohnehin entstehenden Kosten zu decken.
Wie wird der Preis festgelegt?
Es gibt keinen festen Empty-Leg-Rabatt.
Der Preis hängt ab von:
- Flugzeugtyp;
- Strecke;
- verbleibender Zeit bis zum Abflug;
- Wahrscheinlichkeit, einen Kunden zu finden;
- Flughafengebühren;
- Flexibilität des Passagiers;
- kommerziellem Wert des Positionierungsfluges;
- Risiko, dass die Hauptmission geändert wird.
Einige Flüge können deutlich unter einem normalen Charterpreis liegen. Bei anderen bleibt der Unterschied gering, weil feste Kosten wie Handling, Crew, Treibstoff und Flughafengebühren weiterhin anfallen.
Vergleich mit einem normalen Charter
Normale Flyius-Richtwerte aus der Routendatenbank zeigen, wie unterschiedlich die Basispreise sind:
| Strecke | Richtwert Leichtjet |
|---|---|
| London → Paris | ab 4.500 € |
| Paris → Genf | ab 4.500 € |
| Paris → Nizza | ab 5.500 € |
| London → Genf | ab 6.500 € |
| Mailand → Ibiza | ab 7.500 € |
| London → Nizza | ab 8.500 € |
Ein vorhandenes Empty Leg kann günstiger angeboten werden. Der reale Preis hängt jedoch vom konkreten Flugzeug, dem Betreiber, den Flughäfen und dem Zeitpunkt ab.
Historische Beispiele dürfen nicht so dargestellt werden, als wären sie weiterhin buchbar. Ein Empty Leg ist immer an eine bestimmte Bewegung und ein konkretes Datum gebunden.
Was ist im Preis enthalten?
Die Erfahrung an Bord entspricht grundsätzlich demselben Flugzeug und derselben Besatzung wie bei einem normalen Charter.
Je nach Angebot kann der Preis enthalten:
- Nutzung des gesamten Flugzeugs;
- Crew;
- geplanten Treibstoff;
- bekannte Gebühren des Sektors;
- einfachen Bordservice.
Möglicherweise nicht enthalten sind:
- Änderung des Flughafens;
- Premium-Catering;
- Bodentransfer;
- flexible Uhrzeit;
- Rückflug;
- zusätzliche Übernachtung;
- Sonderwünsche;
- Kosten nach einer wesentlichen Änderung.
Die Ein- und Ausschlüsse müssen schriftlich geprüft werden.
Vorteile eines Empty Legs
Potenziell niedrigerer Preis
Der Betreiber muss nicht zwangsläufig die vollständigen Missionskosten decken. Ein reduzierter Verkauf kann wirtschaftlich sinnvoller sein als ein komplett leerer Flug.
Gleiches Flugzeug und gleiche Sicherheitsanforderungen
Der Flug muss durch einen entsprechend zugelassenen gewerblichen Betreiber durchgeführt werden. Die operativen und sicherheitsrelevanten Pflichten sind nicht geringer, nur weil es sich um einen Positionierungsflug handelt.
Gesamtes Flugzeug statt einzelner Sitzplatz
In der Regel wird das angebotene Flugzeug für die Gruppe gebucht. Das ist nicht automatisch ein Sitzplatz-Sharing-Modell. Das Angebot muss klar sagen, ob das gesamte Flugzeug oder einzelne Sitze verkauft werden.
Gute Möglichkeit für flexible Freizeitreisen
Für einen flexiblen Wochenendtrip oder eine Gruppe kann ein Empty Leg eine interessante Möglichkeit sein, Privatluftfahrt kennenzulernen.
Die wichtigsten Nachteile
Die Uhrzeit wird vom Hauptflug bestimmt
Der Flug existiert wegen einer anderen Mission. Der Betreiber kann den Zeitplan daher nur begrenzt anpassen.
Schon eine Verschiebung um einige Stunden kann das Angebot unbrauchbar machen.
Die Strecke ist weitgehend vorgegeben
Größere Änderungen von Abflug- oder Zielflughafen können aus dem Empty Leg einen neuen Charter machen und den Preisvorteil beseitigen.
Eine kleine Anpassung zu einem nahe gelegenen Flughafen kann gelegentlich möglich sein, muss aber in den Einsatzplan passen.
Der Flug kann entfallen
Wenn der Hauptkunde seine Mission ändert oder storniert, muss das Flugzeug eventuell nicht mehr positioniert werden.
Vor Zahlung muss geklärt werden:
- ob der Flug garantiert ist;
- bis wann eine Stornierung möglich ist;
- ob der Kunde eine Erstattung erhält;
- ob ein Ersatzflug angeboten wird;
- wer Zusatzkosten trägt;
- ob Hotel oder Transfer abgesichert sind.
Der Rückflug ist meist nicht enthalten
Empty Legs sind überwiegend One-Way-Angebote. Der Rückflug muss separat geplant werden.
Ein teurer Rückflug kann die Ersparnis des Hinfluges vollständig aufheben.
Kurzfristige Entscheidung
Viele interessante Angebote entstehen erst, wenn der Einsatzplan des Flugzeugs feststeht. Der Kunde muss möglicherweise schnell entscheiden, sollte aber trotzdem Betreiber, Vertrag und Rückerstattung prüfen.
Empty Leg oder normaler Charter?
| Kriterium | Empty Leg | Normaler Charter |
|---|---|---|
| Strecke | vorgegeben | für den Kunden geplant |
| Uhrzeit | an Flugzeugplan gebunden | nach Verfügbarkeit wählbar |
| Rückflug | meist nicht enthalten | individuell planbar |
| Preis | potenziell reduziert | vollständiger Missionspreis |
| Änderungsrisiko | höher | nach Bestätigung geringer |
| Flugzeugwahl | begrenzt | mehrere Optionen vergleichbar |
| Vorlauf | oft kurz | langfristig planbar |
| Anpassung | gering | hoch |
Für wen ist ein Empty Leg geeignet?
Es kann passen für:
- flexible Freizeitreisen;
- Wochenendaufenthalte;
- Gruppen von Freunden;
- One-Way-Reisen;
- Reisende mit mehreren akzeptablen Flughäfen;
- Personen mit einem belastbaren Plan B;
- Routen zwischen aktiven Chartermärkten.
Es ist weniger geeignet für:
- wichtige Geschäftstermine;
- Hochzeiten;
- medizinische Reisen;
- Anschlussflüge;
- Reisen mit engem Eventzeitplan;
- große Mengen Spezialgepäck;
- Hin- und Rückflug mit festen Zeiten.
Wie erhöht man die Chance auf ein passendes Angebot?
Zeitlich flexibel sein
Ein Zeitfenster von 24 bis 72 Stunden bietet deutlich mehr Möglichkeiten als eine exakte Uhrzeit.
Mehrere Flughäfen akzeptieren
Rund um London, Paris, Genf, Mailand oder Nizza kann die Akzeptanz alternativer Flughäfen die Auswahl erhöhen.
Der zusätzliche Bodentransfer muss jedoch in Zeit und Kosten eingerechnet werden.
Aktive Charterachsen beobachten
Empty Legs treten häufiger dort auf, wo viele Privatflugzeuge verkehren, etwa zwischen:
- London;
- Paris;
- Genf;
- Zürich;
- Nizza;
- Mailand;
- Ibiza;
- Palma;
- Dubai;
- New York;
- Miami.
Eine aktive Route garantiert kein Angebot. Entscheidend sind die tatsächlichen Flugzeugbewegungen.
Schnell, aber nicht unkritisch entscheiden
Ein gutes Empty Leg kann verschwinden, wenn das Flugzeug anderweitig verkauft oder der Plan geändert wird.
Trotz Zeitdruck müssen Betreiber, Bedingungen, Rückerstattung und Gepäck geprüft werden.
Eine breite, aber präzise Anfrage stellen
Eine gute Suchanfrage enthält:
- akzeptable Abflugregion;
- akzeptable Zielregion;
- Datumsfenster;
- Passagierzahl;
- Gepäck;
- Maximalbudget;
- Rückflugbedarf;
- akzeptiertes Änderungsrisiko.
Typische Fehler
Einen festen Rabatt erwarten
„50 bis 75 Prozent günstiger“ ist keine Garantie. Der reale Vorteil kann größer, kleiner oder nicht vorhanden sein.
Die gesamte Reise von einem ungarantierten Flug abhängig machen
Nicht stornierbare Hotels, Yachten oder Eventtickets können aus einer theoretischen Ersparnis einen Verlust machen.
Den Rückflug vergessen
Bewerten Sie die gesamte Reise, nicht nur den angebotenen Sektor.
Bedingungen nicht lesen
Stornierung, Erstattung, Ersatzflugzeug und Fluggarantie sind zentral.
Freie Streckenänderung annehmen
Eine wesentliche Änderung kann den Positionierungscharakter und damit den Preisvorteil aufheben.
Gesamtes Flugzeug mit Sitzplatzangebot verwechseln
Manche Plattformen verkaufen das Flugzeug, andere einzelne Sitze. Der Vertrag muss klar definieren, was gekauft wird.
Checkliste vor der Zahlung
Fragen Sie nach:
- Name des Betreibers;
- gewerblicher Betriebsgenehmigung;
- genauem Flugzeugmodell;
- Sitzplatzkapazität;
- Gepäckfreigabe;
- exaktem Flughafen;
- geplanter Zeit und Zeitfenster;
- Garantie- oder Stornierungsstatus;
- Rückerstattungsbedingungen;
- enthaltenen Gebühren;
- Rückfluglösung;
- Ersatzplan.
Wie Flyius ein Empty Leg bewerten sollte
Eine Gelegenheit sollte nicht wie ein gewöhnliches Rabattprodukt präsentiert werden.
Flyius sollte prüfen:
- ob die Bewegung noch aktiv ist;
- ob der Betreiber gewerblich zugelassen ist;
- ob Passagiere und Gepäck passen;
- ob die Flughäfen sinnvoll sind;
- ob das Stornierungsrisiko verstanden wurde;
- ob der Preis gegenüber einem normalen Charter attraktiv bleibt;
- ob Rückflug und Backup organisiert sind.
Fazit
Ein Empty Leg kann sehr attraktiv sein, wenn die Strecke ohnehin existiert und der Reisende flexibel ist. Es sollte jedoch nie als dauerhaft garantierter Rabatt vermarktet werden.
Die richtige Frage lautet nicht nur:
„Wie viel spare ich?“
Ebenso wichtig ist:
„Funktioniert diese Reise noch, wenn sich Uhrzeit, Flughafen oder Positionierungsbedarf ändern?“
Für einen terminabhängigen Flug ist ein bestätigter normaler Charter meist die verlässlichere Lösung. Für eine flexible Freizeitreise kann ein sorgfältig geprüftes Empty Leg einen überzeugenden Wert bieten.
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein Empty Leg?
Ein Positionierungsflug, den ein Privatflugzeug ohne Charterpassagiere durchführen müsste. Der Betreiber kann den Sektor verkaufen, weil die Bewegung ohnehin geplant ist.
Ist es immer viel günstiger?
Nein. Der Preis hängt von Flugzeug, Strecke, Flughäfen, Zeitpunkt und kommerziellem Wert ab. Eine hohe Ersparnis ist möglich, aber nicht garantiert.
Kann ich Uhrzeit und Flughafen wählen?
Nur begrenzt. Der Flug folgt dem bestehenden Einsatzplan. Größere Änderungen können den Preisvorteil beseitigen.
Kann der Flug storniert werden?
Ja, abhängig von den Bedingungen. Ändert sich die Hauptmission, kann der Positionierungsflug entfallen.
Ist der Service schlechter?
Nicht grundsätzlich. Flugzeug, Crew und Sicherheitsanforderungen sind dieselben. Catering und Zusatzleistungen können jedoch eingeschränkt oder separat berechnet sein.
Ist der Rückflug enthalten?
Meist nicht. Der Rückflug muss separat kalkuliert werden.
Für wen ist ein Empty Leg geeignet?
Vor allem für flexible Reisende mit mehreren akzeptablen Zeiten oder Flughäfen und einem Plan B.
Wie erhalte ich passende Angebote?
Geben Sie Regionen, Datumsfenster, Passagierzahl, Gepäck, Budget und Rückflugbedarf an.
Weiterführende Entscheidungshilfen
Vergleichen Sie zuerst die Gesamtkosten mit unserem Leitfaden zu Privatjet-Kosten in Europa. Für mehrere Reisende hilft außerdem der Kostenvergleich für Gruppen im Privatjet. Sobald Route und Anforderungen feststehen, können Sie bei Flyius ein Empty Leg und einen bestätigten Standardcharter vergleichen.
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Geschrieben von
Sophie Marchant
Senior-Redakteurin für Business Aviation
Sophie Marchant ist Senior-Redakteurin für Business Aviation und berichtet über Privatjet-Strecken, Charterpreise, Flughafenzugang und Premium-Reiseabläufe in Europa und auf wichtigen internationalen Märkten. Ihre redaktionelle Arbeit verbindet Preis-Benchmarks von Betreibern, Flughafen- und FBO-Recherche, Verkehrskontext von Eurocontrol sowie Interviews mit Charter-Brokern, Dispatch-Teams und Spe
